Carla Bozulich & Evangelista, 28.9.2012, Spielboden, Dornbirn (A)

Sie bittet, sie bettelt, sie erklärt, welche Vorzüge es hat, ganz vorne an der Bühne zu stehen. Sie fordert ihren gerechten Anteil, den sie offenbar nicht in der Gage sieht, sondern in der Energie, die ihr das Publikum zurückgibt. Diese Energie komme nicht ins Fließen, sagt Carla Bozulich ein wenig verzweifelt, wenn sie das Publikum nicht sehen könne. Auch ihr Ausflug ins Auditorium – mit einem Liebeslied, das man ergreifender nicht bringen könnte – fruchtet nichts. Die Besucher bleiben hart, der Energiefluss einseitig.

Bozulich gibt viel mehr als sie bekommt und sorgt mit ihren Evangelistas trotzdem für einige gute Momente. Während der Stücke selbst meist hochkonzentriert, wirkt sie dazwischen fahrig und justiert lange an ihren Effektgeräten, während es ihre Mitmusiker im Hintergrund grummeln lassen. Carla Bozulich und ihre Prediger wirken wie eine Mischung aus Sonic Youth und Patti Smith. Die zwar weniger charismatische Bozulich hat eine vergleichsweise herbe Stimme und mag experimentelle Klänge. Das ist längst nicht mehr neu, aber in der von ihr gebotenen Mischung immer wieder fesselnd.

Fast alle Stücke sind nah am Stillstand, die Musik von Geräuschen dominiert. Melodien bringen nicht Geige und Synthesizer, sondern allein die Singstimme. Manchmal wird sie vom durchweg monoton gespielten Bass unterstützt. Das Quartett sorgt für einen eigenwilligen Klangraum. Dieser lädt so sehr zum andächtigen Miterleben ein, dass auch die seltenen eruptiven Ausbrüche niemanden dazu bewegen, die Energie in Bewegung umzusetzen.

Carla Bozulich & Evangelista haben das Potenzial, mit vergleichsweise geringen Mitteln und einem verhältnismäßig simplen Konzept magische Momente zu kreieren. Aber auch für sie gibt es das nicht im Abonnement.

*(Foto: TheNoise)*

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