Aldona, 13.10.2012, Kammgarn, Hard (A)

Aldona (Foto: TheNoise)

Im Konzert zeigt Aldona, dass ihr nicht nur die besinnlich-kontemplativen Lieder liegen. Sie gibt sich ausgelassen und zeigt auch ihre komödiantische Seite.

Großartige Gedichtvertonungen, eine charakteristische Stimme und originelle Arrangements machen Aldonas Musik einzigartig. Auf einige der Klangfarben ihres neuen Albums, das sich nach seinem Erscheinen mehrere Monate in den Top 10 der Weltmusik-Charts hielt, muss sie auf der Bühne verzichten. Doch ihr Quartett ist nicht nur originell besetzt, sondern auch so variabel, dass man die Klänge von Cello und Akkordeon, Geige, Darbuka und Gimbri keineswegs vermisst.
Ein groovender Bass reicht als Rhythmussektion. Eine virile Mandoline, zwischendurch mit Bottleneck oder Bogen gespielt, sorgt im gelegentlichen Wechsel mit einem Banjo für helle Fröhlichkeit. Dazu der weiche Klang der Bassklarinette, eine überwiegend quicklebendige Gitarre und Aldonas unvergleichliche Stimme – mädchenhaft hell und zart, mitunter bloß gehaucht, aber gleichzeitig fest und bestimmt. Sie mischt Juchzer in ihren Gesang und lässt die Möwen davonfliegen. Mit wenigen einfachen Mitteln, einer Rassel und einem Kinderxylophon etwa, setzt Aldona zusätzliche Akzente. Und in einem Stück sorgen die Luftballons für einen Knall, den kein Paukenschlag übertreffen könnte.

Aldona Nowowiejska beschränkt sich im Konzert nicht auf die Lieder ihres dritten Albums „Sonnet“, sondern interpretiert beispielsweise Mari Boine Persens „Gula Gula“ – noch eindringlicher und dichter als Mari Boine selbst.

Das Quartett taucht das Publikum in ein Wechselbad der Stimmungen. Da bricht eine ausgelassene Passage, die in einem Film den Höhepunkt einer Roma-Hochzeit trefflich charakterisieren würde, unvermittelt ab, und die wenigen verbleibenden leisen Töne wirken wie das sanfte Klirren der sprichwörtlichen fallenden Nadel. Neben eigenen Liedern vertont sie Gedichte von polnischen Autoren wie Teresa Ferenc und Konstanty Gałczyński ebenso wie ein ins polnische übertragene Sonnet von William Shakespeare oder – ins Französische übersetzt – Emily Dickinsons „A Murmur In The Trees“. Die poetische Strahlkraft ihrer Lieder vermittelt sie in kurzen Textauszügen, die sie in gebrochenem Deutsch vom Blatt liest. Das geht nicht immer gut, bleibt oft genug völlig unverständlich. Vielleicht wollen die poetischen Texte die unter den Worten liegenden Geheimnisse nicht ohne Aldonas Gesang preisgeben. Dafür erlebt man so umso mehr die Persönlichkeit der Musikerin, die hierzulande trotz ihres jüngsten Erfolgs noch als Geheimtipp gilt.

→ Aldonas [Tourplan](http://www.jaro.de/php/index.php3/page/content:artist_concerts/artist_id/42da5d78facd69d7beaf213efe6f72bf)
→ [Mari Boine beim Schallplattenmann](http://schallplattenmann.de/artikel.html?a=boine)

*(Foto: TheNoise)*