Sal’s Top Five · Sal’s Classics Top Five 2012

Various: Shostakovich Edition (Brilliant Classics)Lange habe ich gezögert, ob ich für das abgelaufene Jahr überhaupt eine Bestenliste verfassen soll. Nicht nur der Schallplattenmann befand sich 2012 über weite Strecken in einer Art Hiatus, sondern auch mein Musikkonsum, zumindest was aktuelle Pop- und (Progressive-) Rockmusik anbelangt. Stattdessen habe ich viel klassische Musik gehört …

Weil Listen aber irgendwie charmant sind und sowieso immer nur einen subjektiven Ausschnitt zeigen, habe ich nun doch eine doppelte Top-Five-Liste zusammengestellt, eine mit klassischer Musik, eine mit Pop und Rockmusik.

Meine fünf Alben des Jahres: Pop und (Progressive) Rock in alphabetischer Reihenfolge:

Bat for Lashes „The Haunted Man“ — Mindestens so gut wie der Vorgänger und das Album wächst mit jedem Mal hören: Melancholie, Poesie und Magie, ganz ohne Kitsch. So sollte Pop-Musik sein.

Echolyn „Echolyn“ — Die derzeit (meiner Meinung nach) beste Prog-Truppe der USA mit dem Prog-Album des Jahres. Exzellenter Gesang, starke Kompositionen, hervorragende Musiker, superber Klang.

Steve Hogarth & Richard Barbieri „Not The Weapon But The Hand“ — Viel besser als alles, was in den letzten Jahren aus dem Hause Marillion kam (deren Sänger  Hogarth ist) und überzeugender als alle vorigen Solo-Versuche Barbieris (hauptberuflich bei Porcupine Tree): Tolle Atmosphäre, guter Gesang, tolle Sounds, Kompositionen ohne Längen. Hoffentlich gibt es mehr davon.

Porcupine Tree „Octane Twisted“ — Die bisher stärkste Live-Veröffentlichung (CDs und DVDs zusammengenommen) von Steven Wilsons Truppe. Perfektes Spiel und bemerkenswert guter Gesang.

Scott Walker „Bish Bosch“ — Alles andere als Altherren-Musik: Kompromisslose Avantgarde, düster, beklemmend, intensiv, individuell, unverwechselbar. Scott Walker unterstreicht seine Ausnahmestellung.

Meine fünf Alben des Jahres: Klassische Musik in alphabetischer Reihenfolge:

Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra, Sascha Goetzel „Music from the Machine Age“ — Elektrisierende Werke aus der Hoch-Zeit der Industrialisierung von Bartók, Holst, Prokofiev, Ravel und Schulhoff: Ein überaus spannendes Programm, exzellent umgesetzt. Das türkische Spitzenensemble zeigt den piefigen europäischen Orchester-Dinos was ’ne Harke ist.

David Brutti u. a. – „Charles Koechlin – Complete Music for Saxophone“ — Der italienische Saxophonist David Brutti hat ein faszinierendes Plädoyer für den von der Nachwelt zu Unrecht zur Seite gedrängten Charles Koechlin aufgenommen. Nicht nur für Saxophon-Fans, sondern für alle Liebhaber der französischen Musik des 20. Jahrhunderts ist diese Box eine beglückende Entdeckung.

Alina Ibragimova · Orchestra of the Age of Enlightenment, Vladimir Jurowski „Felix Mendelssohn Bartholdy – Violin Concertos · The Hebrides“ — So tänzerisch, so leicht, so jugendlich, so frisch, so selbstbewusst muss man Mendelssohn spielen, damit seine Musik ihre gesamte Faszination verbreitet.

Pieter Wispelwey „Johann Sebastian Bach – 6 Suites for Cello Solo“ — Wispelweys dritte (!) Gesamtaufnahme der Cellosuiten ist seine stärkste, mutigste, lebendigste und bewegendste. Musik, deren Schönheit sprachlos macht: Ein Muss für alle Cello- und Bach-Fans.

Various „Shostakovich Edition“ — Sowohl quantitativ, als auch qualitativ ist dies eine einzigartige Zusammenstellung, gespickt mit zahlreichen Referenzeinspielungen, Raritäten und Juwelen aus russischen Archiven. 51 CDs mit Musik aus dem faszinierenden, widersprüchlichen und sehr intimen musikalischen Universum Shostakovichs.

(Bild: Brilliant Classics)