TheNoise‘ Top 5 2013

„Lied kommt, Lied geht“ sangen Chuzpe 1982 und beschrieben so ungewollt auch die Arbeit des  Musikjournalisten. Keith Jarrett „Concerts-Bregenz/München“Viele Eintagsfliegen summen vorüber, und die Flut der Veröffentlichungen schwemmt auch so manches gute Album, das man gerne länger gehört hätte, frühzeitig weg. Der Strom fließt unaufhaltsam. Auch wenn sich die Farbe immer wieder ändert, die Wellen mal lebendiger hüpfen und sich dann und wann der Nebelschleier über sie legt: Es gibt in der Regel keine Erinnerungspunkte, mit denen man das Album verknüpft. Sind Michael Wollnys „Wasted & Wanted“ und Arvo Pärts „Adam’s Lament“ tatsächlich schon letztes Jahr erschienen? Begeistert Keith Jarrett vielleicht nur, weil das Album noch so frisch im Gehörgang ist?

Die Arbeit am Resümee zum Jahresende ist eine willkommene Insel in der Musikflut. An ihr zieht die Musik noch einmal vorbei, es werden Einschätzungen überprüft und die Höhepunkte bestimmt.

  1. Christian Zehnder/Gregor Hilbe „Oloid“ Vertonte Geometrie: So eigenwillig wie der geometrische Körper des Oloids ist die Musik des Duos. Christian Zehnder baut in Zusammenarbeit mit dem Perkussionisten Gregor Hilbe seinen ureigenen Klangkosmos weiter aus ­– nicht nur stimmlich, sondern auch mit eigens entwickelten Mund-Orgel-Pfeifen.
  2. Kayhan Kalhor/Erdal Erzincan „Kula Kulluk Kula Kulluk Yakisir Mi“ East meets East: Seit knapp zehn Jahren arbeiten Kayhan Kalhor (Kamanche) und Erdal Erzincan (Baglama) an ihrem Ost-östlichen Divan mit ihrem jüngst erschienenen Album evozieren sie – wie ein Kritiker bekundete – „Emotionen, die weiter über die Wirkung von Worten hinaus gehen.“
  3. DaWangGang „Wild Tune Stray Rhythm“ »Der Multi-Instrumentalist und frühere Rockmusiker Song Yuzhe verknüpft mit seinem Ensemble DaWangGang Überlieferungen aus Tibet, der Mongolei oder auch der Peking-Oper zu souveränen Klangkunst-Erzählungen, kraftvoll, entrückt und ganz und gar zeitgenössisch«, urteilte die Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Wo die Juroren Recht haben …
  4. Hans Hassler „Hassler Der Schweizer Avantgarde-Akkordeonist auf Spurensuche. Hans Hassler greift traditionelle Volksmusik auf und interpretiert sie neu.
  5. Samba Touré „Albala Desert Blues at its best. Samba Touré führt die Arbeit seines Namensvetters und früheren Arbeitgebers, dem 2006 verstorbenen Grammy-Gewinner Ali Farka Touré, eigenständig weiter. Seine Musik verströmt – fern von jeglicher Afropop-Fröhlichkeit – große Gelassenheit.

Auf den weiteren Plätzen

  1. Tingvall Trio „In Concert“
  2. Ashia & The Bison Rouge „Diesel vs. Lungs“
  3. Harry Stojka „India Express“
  4. Charles Bradley „Victim of Love“
  5. Merz/Julian Sartorius „No Compass Will Find Home“

Ehrenhafte Erwähnungen

  • Keith Jarrett „Concerts Bregenz/München“ Neuauflage von Konzertmitschnitten aus dem Jahr 1981 – gleichermaßen lyrisch und kraftvoll.
  • Jimi Hendrix „Starting At Zero“ Die ‘Posthume Autobiographie’ bietet überraschenden Einblicke. Die Texte, in die immer wieder Liedtexte montiert sind, helfen mit, der tatsächlichen Person ein wenig näher zu kommen.
  • Strom & Wasser und The Refugees „Freiheit ist ein Paradies“ Auch in diesem Jahr machte Heinz Ratz Musik für Menschlichkeit: Das zweite Album mit Musikern, die als Asylbewerber in Deutschland leben.