Parov Stelar „The Burning Spider“

*Geschmackvolle Song-Auswahl, jedoch nicht dauerhaft reizvoll*

Marcus Füreder alias Parov Stelar ist ein umtriebiger Mann. Seit Anfang der 2000er-Jahre  gelingt es ihm, seine Version des Samplings als DJ, Musiker und Produzent unter die Leute zu bringen. Geholfen hat dabei sicherlich die Auswahl der Sounds und Songs, die Füreder be- oder verarbeitet. So auch im aktuellen Album „The Burning Spider“.
Das gleichnamige Auftaktstück lebt wesentlich von der ‚mojo hand‘ des Bluesers Lightnin‘ Hopkins, der hier mit allerlei elektronischen Arrangements, Bläsern und anderen Zutaten aus der Trickkiste des modernen Produzenten zeitgemäß aufgearbeitet wird. Puristen kann so etwas zwar nicht gefallen, aber die greifen ohnehin nicht zu den CDs von Parov Stelar.
Zwischenfazit: Man kann einen guten Song kaum kaputt machen, und als Basis eines Samples ist dieser nicht zu ersetzen. Schlimmstenfalls erscheinen – wie hier – die neuen Zutaten überflüssig, aber Parov Stelar beweist immerhin Geschmack.
Irritierend erscheint dagegen der Stimmungswechsel im zweiten Titel, „Step Too“. Auch hier mischt, wie bei fast allen Stücken, Parov Stellar den Gesang von Interpreten wie Anduze, Muddy Waters, Stuff Smith und Mildred Bailey mit neuen Sounds ab. „Step Too“ – mit Lilja Bloom – wird so zu einer Art tanzbarer Eurodisco.

Betrachten wir das Vorgehen Füreders als Arbeit eines DJ, der eine bestimmte Klanglandschaft erzeugen möchte, macht die Sache dennoch Sinn. Insofern wirkt „The Burning Spider“ wie der Mitschnitt eines DJ-Sets aus einem angesagten Club im urbanen Irgendwo, den der Käufer nach Hause nehmen kann. Zwischen einem Häppchen Blues hier, Disco dort, einem bisschen Jazz, Karibik-Feeling, Gypsy-Swing und Soul-Stimmen soll sich eine Art globaler, tanzbarer Sound entfalten.
Ich erinnere mich an einen Besuch in einem Prager Café in der Altstadt am frühen Abend, wo uns ein freundlicher Hipster eine gute Tasse des schwarzen Goldes servierte. Draussen tummelten sich wie in Euro-Disney-Land zahllose gut gelaunte junge Leute von Überallher, drinnen sassen wir und trübten das Bild ein bisschen. Auf dem Monitor lief ein Video. Es war von Parov Stellar und zeigte alte Schwarz-weiß-Aufnahmen tanzender Paare, zu hören gab es Electro-Swing.
Das umschreibt den Klangkosmos und den sozialen Background dieser Musik ganz gut. Authentizität ist hier völlig deplaziert, alles mischt sich potentiell mit allem, 50er-Jahre-Electric-Blues aus Chicago mit Gypsy-Klängen und elektronischen Soundeffekten. Hört man „The Burning Spider“ wie ein etwas kurioses Radioprogramm ohne klares Format, kann die Platte – wenn auch nicht allzu oft – durchaus ihre Reize entfalten. Und die Auswahl der Songs und Interpreten spricht durchaus für guten Geschmack.

→ [Bisherige Rezensionen zu Parov Stelar](http://www.schallplattenmann.de/artikel.html?a=stelar&t=&q=&btnG=Finden) auf schallplattenmann.de

→ [Offizielle Homepage](http://www.parovstelar.com) von Parov Stelar

 

(Cover: Warner Music)