Samba Touré, 19.5.2017, Spielboden, Dornbirn (A)

Samba Touré ist ein typischer Vertreter des Mali-Blues. Die Stücke sind von einer einnehmenden gleichförmigen Trägheit, sodass ich mir nichts anderes vorstellen kann, als in der Mittagshitze von einem schattigen Straßencafé aus dem Niger dabei zuzusehen, wie er sich im Schneckentempo vorbeischiebt. Gleichzeitig setzen aber der helle Klang von Samba Tourés Gitarre und seine lebhaften Verzierungen – beides typisch für die malische Spielart des Blues –frische, farbige Akzente.

Das Quartett auf der Bühne, in sich und in der Musik versunken, entspricht diesem Bild. Möglicherweise lächelt der meist mit geschlossenen Augen spielende Samba Touré still in sich hinein, wenn er von der romantischen Liebe singt, und behält seine Trauer für sich, wenn er in einem Lied den Zustand des Landes kommentiert. Außer einem gelegentlichen Dankeschön ist von Samba Touré zwischen den Stücken nichts zu hören – er spielt sich ohne Erklärungen durch alte und neue Songs, er erzählt keine Geschichten.

Oberflächlich betrachtet, wirkt Samba Touré wie ein exzellenter Handwerker, der mit gediegenen Stücken das Erbe seines Mentors Ali Farka Touré weiterträgt. Doch er hat längst seine eigene Spielart gefunden, die sich auch in der Qualität der so unauffällig auftretenden Viererbesetzung zeigt. Hinter der Musik des Quartetts steckt mehr Feinsinn, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Etwa wenn der Bassist subtil die Melodielinien mitspielt, während die Ngoni in einer eigenen, aber wesensverwandten Welt zu spielen scheint. Zwei, drei Mal sorgt die Talking Drum für ein wenig Temperament, und auch der Ngoni-Klang wird bei einem Stück durchs Wah-Wah gejagt. Das war es dann jedoch mit der ‚Effekthascherei‘. Bei „Farikoyo“ spielt Samba Touré die Gitarre angezerrt und ein wenig dunkler, aber noch lange nicht so düster wie John Lee Hooker, und bei einem Solo-Stück zeigt er, dass er sein Publikum auch alleine mit seiner Gitarre glücklich machen kann. Wenn er sich gleich danach einen kleinen Schlagabtausch mit der Ngoni liefert, wirkt das wie eine kleine Neckerei unter Freunden, die ein bisschen Abwechslung in den heiß-schwülen Nachmittag bringt und über die man – vom folgenden Stück schon wieder eingelullt – leise in sich hineinlachen kann.

→ [Bisherige Rezensionen zu Samba Touré]( http://blog.schallplattenmann.de/2013/05/samba-toure-albala/) im Blog

(Foto: TheNoise)