International Music – Die besten Jahre

Frohgemut bis düster, eigenständig mit deutlich erkennbaren Referenzen

„Dein Mund ist gerade, deine Lippen sind schief“, singen International Music in „Country Girl“, ganz so als ob sie damit programmatisch ihren konservativ-geschmeidigen Rock beschreiben wollten, den sie von frohgemut bis düster zelebrieren. Die Musik des Essener Trios ist kein ebenmäßig glattes, durchgestyltes Model, sondern von rauer, unkonventioneller Schönheit. International Music fertigen ein Patchwork aus unterschiedlichen Ingredienzen, bei dem man viele Einflüsse heraushören kann: In „Metallmädchen“ klingt Space-Rock an, und bei „Für alles“ standen The Jesus and Mary Chain Pate. Den Bass von „Farbiges Licht“ haben sich International Music bei Joy Division geliehen, und das in einer dumpfen Kakophonie endende „Mama“ erinnert über weite Strecken an Element of Crime. Das ist noch lange nicht so international, wie der Bandname vorgibt, aber doch schon ziemlich welthaltig.

Den Rat, den das Essener Trio in „Für alles“ einem imaginären Gegenüber gibt – „Stell die Weichen, die Richtung ist egal“ –, scheint es selbst zu beherzigen. Die drei nehmen sich, was ihnen gefällt, und stellen sich damit ihren eigenen, coolen Street Style zusammen. Genauso unverfroren gehen sie mit ihren Texten um, die sich mal um reale Bürden wie äußere Zwänge („Cool bleiben“) und Verpflichtungen („Du Hund“) drehen, natürlich auch um Liebe („Metallmädchen“, „Country Girl“), aber auch zweckfreie Stimmungsbilder sein können („Kneipe“). Die Lieder von International Music sind immer wieder verschroben und rätselhaft, albern oder auch schlichtweg nihilistisch – ganz in der Tradition von Dada oder Palais Schaumburg und Andreas Dorau in den 80er-Jahren.
Das alles macht International Music zu einer Band für Nostalgiker, die sich auch an der Moderne erfreuen. Man hört das Gestern, befindet sich im Heute und ist zuversichtlich für die Musik der Zukunft. International Music hat die Begegnung mit ihrer Musik – wiederum in „Country Girl“ – gleich in eigene Worte gefasst: „Wie gesagt, du bist elektrisch/wie du siehst, bin ich elektrisiert“.

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(Foto: Staatsakt)