Donald Fagen „Sunken Condos“

The Nightfly is back (again).

Niemand würde von Donald Fagen ein sich dem Zeitgeist angepasstes Album erwarten, weder als Sänger und Keyboarder von Steely Dan, noch als Solist. Seine bisherigen Solo-Alben „The Nightfly“ (1982), „Kamakiriad“ (1993) und „Morph The Cat“ (2006) waren zeitlose Produktionen, die sich stilistisch in etwa am supercoolen Blues-Funk-Jazz-Pop-Rock-Mix Steely Dans orientierten und sich einen Teufel um die gerade aktuellen Tendenzen in der Pop- und Rockmusik scherten.

Fagens neues Album „Sunken Condos“ knüpft (natürlich) musikalisch genau dort an, wo man es vermuten würde. Dabei wird er unterstützt von bewährten Steely-Dan-Weggefährten wie dem exzellenten Gitarristen Jon Herington und dem Bassisten Freddie Washington. Michael Leonardt, Teil der Bläsersektion der Band, hat sogar (gemeinsam mit Fagen) für die lupenreine Produktion gesorgt, die den hohen technischen Qualitätsstandards aller Steely-Dan- und Donald-Fagen-Produktionen gerecht wird. Aber es ist nicht nur die technische Umsetzung, die „Sunken Condos“ auszeichnet: Fagen zeigt sich nach wie vor als Komponist, Texter und Interpret in absoluter Höchstform, mal funky wie in „Slinky Thing“, mal im Steely-Dan-Popgewand wie im bittersüßen „I’m Not The Same Without You“, mal im Blues melancholisch versunken wie in „Weather In My Head“. Während andere Rockhelden der 1970er heute nur noch altes Material verwalten oder vergeblich versuchen, ehemalige Großtaten zu imitieren, hat es Donald Fagen tatsächlich geschafft, sein hohes Niveau zu halten, ohne sich selbst zu verraten, ohne eine bloße Selbstkopie zu werden.

„Sunken Condos“ reiht sich in die Serie großartiger und zeitloser Donald-Fagen-Soloalben ein und ist nach seinem epochalen Solo-Debüt seine vielleicht stärkste Veröffentlichung. Kein Zweifel: Die Nightfly hat’s immer noch voll drauf.

→ Single „I’m Not The Same Without You“ auf Youtube
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