Schlagwort: Singer/Songwriter

Random Willson & Brokof „Brother Equal“

Erstes Werk der Zusammenarbeit des amerikaischen Sängers Greg Northrop mit der Berliner Band Brokof. Pendelt zwischen handgemachten, nostalgischen Sounds und Kommentaren zum Zustand der Welt sowie autobiographischen Erfahrungen. Der Zustand der Welt ist eher schlecht, die Musik ganz gut, aber Northrops Stimme sicher nicht unverwechselbar. Die selbst verfaßten Texte setzen dem grassierenden Zynismus eine sympathische, humane Haltung entgegen, freilich, ohne missionieren zu wollen.

Diagrams „Dorothy“

Wunderbar entrückte und versponnene akustische Betrachtungen über das Leben, die Jahreszeiten und die Wissenschaft. Nachdenkliche Texte und Musik mit Folk als Basis und unaufdringlichen elektronischen Effekten. Dazu sparsame orchestrale Arrangements und Unterstützung etlicher Musiker.

Tim Vantol „Burning Desires“

Songs über das Leben, die Liebe, das rastlose Umherschweifen und das Nachhausekommen – wohlbekannte Sujets also. Musikalisch bleibt der Niederländer ebenfalls in bekannten Fahrwassern amerikanischer und britischer Singer/Songwriter. Tim Vantol will das Rad nicht neu erfinden, sondern eigene Wege damit erkunden. Das ist unterhaltsam und gut gemacht.

Nick and June „My November My“

Verträumt-verspieltes, zweites Album des Nürnberger Quartetts. Der Schwerpunkt liegt auf gepflegter Melancholie und Tagträumerei, die im sanft bis gelegentlich ungestühmen Duett ausgelebt werden. Irgendwo zwischen kauzigem amerikanischem Indie-Folk, leicht spinnertem britischen Singer-Songwritertum und Nürnberger Neo-Psychedelia. Braucht ein wenig Zeit bis zur vollen Entfaltung.

Jenn Grant „Paradise“

Eine von der kanadischen Sängerin handwerklich gut gemachte Pop-Platte mit ganz leichtem Singer-Songwriter-Einschlag. Plätschert angenehm in die Gehörgänge, lässt aber doch ein wenig den eigenen Zungenschlag vermissen. Sowohl für regnerische Nachmittage als auch abends zum Tee geeignet.

Jack Savoretti „Sleep No More“

Weiter mit bewährter Formel auf der Erfolgsstrasse. Mädchenschwarm Savoretti gibt dem Publikum, was es will. Leider vermeidet er dabei überwiegend das Risiko, aus dem goldenen Käfig seiner Produzenten auszubrechen. Daber hat der Mann Stimme und Songideen und ein Faible für Folk-Rock. Doch aktuell dominieren Softrock und Pop – auch nicht schlecht, aber beim nächsten Mal wieder mehr Variation, bitte.

Synje Norland „Who Says I Can’t?“

Abwechselungsreiche Reise durch die musikalische Welt der Synje Norland – von betörendem Kammerpop über die deutschen Romantiker und in die Fantasy-Welt bis in Pop-Gefilde.

Kristoffer and the Harbour Heads „EX/EX“

Schwedischer Mix aus Indie-Pop, Anleihen beim klassischen Rock der Sechziger und frühen Siebziger, vermengt mit elektronischen Helferlein. Charmantas Trio, bei einigen Titeln wie der Single „When you say stay“ durchaus mit ernsthaftem Hintergrund, aber ohne Zeigefinger.

Milow „Modern Heart“

Milow versucht mit seinem fünften Album eine vorsichtige Modernisierung seiner Musik, ohne sich von seinen Markenzeichen – Gesang und aktustische Gitarre – zu verabschieden. Das gelingt ganz gut, weil die prominenten Produzenten ihre angesagten Sounds und Stilmittel unaufdringlich im Hintergrund lassen und Milow so seine bekannten Qualitäten ausspielen kann.

Ashia Bison Rouge „Oder“

Die Liedermacherin mit dem Cello hat ihre Begleitgruppe gegen Loopstation und Effektgeräte ausgetauscht – und ein tolles Album eingespielt.