Schlagwort: Rock

Random Willson & Brokof „Brother Equal“

Erstes Werk der Zusammenarbeit des amerikaischen Sängers Greg Northrop mit der Berliner Band Brokof. Pendelt zwischen handgemachten, nostalgischen Sounds und Kommentaren zum Zustand der Welt sowie autobiographischen Erfahrungen. Der Zustand der Welt ist eher schlecht, die Musik ganz gut, aber Northrops Stimme sicher nicht unverwechselbar. Die selbst verfaßten Texte setzen dem grassierenden Zynismus eine sympathische, humane Haltung entgegen, freilich, ohne missionieren zu wollen.

Fehlfarben, 30.06.2017, Kammerspiele, München

Andere mögen kommerziell erfolgreicher sein und mehr Fans haben: Doch die Fehlfarben haben die prägendere Musik gemacht und mit ihrem 1980 erschienenen Debüt „Monarchie und Alltag“ ein denkwürdiges Album eingespielt. Wenn sie es jetzt auf die Bühne bringen, hat das…

Dreamcar „Dreamcar“

Dreiviertel von No Doubt und ein neuer Sänger ergeben einen ziemlich frisch und gut aufbereiteten Sound wie aus der britischen New-Wave, Abteilung Top Forty à la ABC, Culture Club oder Duran Duran. Die selbst komponierten Songs und Texte von Dreamcar halten sich überwiegend und unterhaltsam an deren Klangspektrum, das behutsam aufpoliert wurde. Beim nächsten Mal sollten Dreamcar vielleicht mehr eigene Akzente setzten.

Tim Vantol „Burning Desires“

Songs über das Leben, die Liebe, das rastlose Umherschweifen und das Nachhausekommen – wohlbekannte Sujets also. Musikalisch bleibt der Niederländer ebenfalls in bekannten Fahrwassern amerikanischer und britischer Singer/Songwriter. Tim Vantol will das Rad nicht neu erfinden, sondern eigene Wege damit erkunden. Das ist unterhaltsam und gut gemacht.

Dinosaur Jr. „Give a Glimpse of What Yer Not“

Dinosaur Jr. spielen – mit langen Unterbrechungen – seit Jahrzehnten die gleiche Musik: amerikanischer Indie-Rock aus der Prä-Grunge-Ära. Trends oder neue Klänge bleiben hier aussen vor. Das mag dem einen gefallen, den anderen erschrecken, weil es natürlich auch statisch und entwicklungslos ist. Lässt man sich jedoch auf die Prämisse „keine Experimente“ ein, bekommt der Hörer solide Kost.

Mick Harvey Delirium Tremens

Mick Harvey, der australische Gitarrist und Sänger, mag die Musik Serge Gainsbourghs. Das zeigt er nunmehr zum dritten Mal seit 1985. Die Songs hat er eigenhändig und mit viel Akribie ins Englische übersetzt. Musikalisch changiert er zwischen beinahe ehrfürchtiger Werktreue und Ausflügen in die eigene Vergangenheit als Krachmacher bei den „Bad Seeds“. Insgesamt hält er sich jedoch dicht an die Originale.

Small Time Giants „Stethoscope“

Vier Jungs aus Grönland, die mit ihrem Debut den weiten musikalischen Raum des Indie-Gitarren-Pop betreten und erste eigene Schritte darin wagen. Gefällt gut und setzt stellenweise Akzente jenseits des Bekannten.

Doran, Stucky, Studer, Tacuma „Call me Helium“

Wenn ergraute Rockjazzer auf Hendrix-Klassiker treffen, bleibt ungewiss, wer älter aussieht, das Original oder die teilweise krampfhaft ironisch-verkopft daherkommende Interpretation. Das Quartett bietet einen Parforceritt für Gitarrenfans, streckenweise aber auch die Verkleinerung von Hendrix aufs Brettl-Format. Selten aber kommt das Quartett ins Fliessen und Rollen.