Madeleine Peryroux „The Blue Room“

Madeleine Peyroux_The Blue Room *Zu süß und gefällig*

Wer mit Jazz halbwegs Geld verdienen möchte, muss sich der Pop-Variante verschreiben. Madeleine Peyroux hat das erfolgreich getan, ohne dabei banal zu werden. Mit ihrem besonderen Timbre und der ihr eigenen Phrasierung hat sie von Beginn ihrer Solokarriere an mit Interpretationen von Stücken so unterschiedlicher Musiker wie Bessie Smith und Bob Dylan, Edith Piaf, Hank Williams und Elliot Smith begeistert.

Obwohl „The Blue Room“ von ruhigen Songs mit eher düsteren Texten geprägt ist, wirkt es auf Anhieb fröhlicher – und leider auch banaler als die früheren Arbeiten von Madeleine Peyroux. Ursprünglich wollte sie – die Idee stammt von ihrem Produzenten Larry Klein – Stücke interpretieren, die Ray Charles auf seinem erfolgreichen Album „Modern Sounds in Country And Western Music“ coverte. Doch daraus wurde nichts. Nur sechs Songs – darunter „Born To Lose“, das von den Everly Brothers berühmt gemachte „Bye, bye Love“ oder „I Can’t Stop Loving You“ – sind von der ursprünglichen Idee übrig geblieben. Der Name Ray Charles dient jetzt nicht mehr als Benchmark, sondern ist nur noch Namedropping. Hinzu gekommen sind Lieder von so unterschiedlichen Künstlern wie Leonard Cohen, Buddy Holly und Warren Zevon. Das sind große Namen, und oft genug hat Madeleine Peyroux auch großartige Songs gewählt und wie gewohnt mit exzellenten Begleitmusikern eingespielt. Doch auch ihre nonchalante Version von Buddy Hollies „Changing All Those Changes“ kann nicht über die seichteren Interpretationen hinwegtäuschen. So macht sie etwa mit ihrer Version von „Bird On The Wire“ nicht das Original vergessen, sondern weckt allenfalls die Sehnsucht danach. Und dass das Klangbild wesentlich mehr von süßlichen Streichen geprägt ist als von Hammond und Lapsteel, weckt eher die Lust auf ihre früheren Einspielungen als Begeisterung für die aktuelle.

→ [Bisherige Rezensionen zu Madeleine Peyroux](http://www.schallplattenmann.de/artikel.html?a=peyroux) auf schallplattenmann.de

→ [Offizielle Homepage](http://madeleinepeyroux.com/) von Madeleine Peyroux

 

*(Foto: Universal)*