Dobet Gnahoré, Kareyce Fotso, Manou Gallo, 10.3.2013, SAL, Schaan (FL)

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Es geht schon hinter der Bühne los: Bereits im Off beginnend, spazieren Dobet Gnahoré, Kareyce Fotso und Manou Gallo – wie drei Frauen auf dem Weg zur Feldarbeit – singend auf die Bühne. Es ist die erste Demonstration von zwei großartigen Stimmen. Die Sängerinnen Dobet Gnahoré und Kareyce Fotso stehen zu Recht im Rampenlicht, während die Bassistin und Gelegenheitsvokalistin Manou Gallo überwiegend im Hintergrund bleibt.

Es sind drei völlig unterschiedliche Charaktere, die sich auf der Bühne treffen. Kareyce Fotso gibt die Diva mit künstlichem Lächeln und Hochsteckfrisur, die exaltierte Dobet Gnahoré wirbelt wie ein wild gewordener Dschinn über die Bühne, und die energische Manou Gallo wirkt wie die moderne energische Geschäftsfrau im europäischen Stil. Diese unterschiedlichen Charaktere scheinen Vielfalt zu versprechen, wird im Konzert allerdings nicht durchweg geboten wird. Aber man kann sich an den unterschiedlichen Temperamenten auch während der wenigen eher gleichförmig-flotten Passagen erfreuen.

Angetrieben wird die Musik der drei Frauen von einem exzellenten Balafon-Spieler, einem gediegenen Schlagzeuger und einem gediegenen Rhythmusgitarristen, der sich seiner Aufgabe als Solist nur mäßig gewachsen zeigt. Besonders eindrücklich gerät „Mayole“, eines der beiden ruhigsten Stücke des Abends, zu denen sich Kareyce Fotso mit einer simpel gezupften Gitarre begleitet. Nach einigen Strophen steigen ihre Mitmusiker ein und treiben das melancholische Lied über Naturzerstörung bis zur kontrollierten Ekstase – und aus der lächelnden Diva wird eine entrückte Schamanin, die völlig in der mitreißenden Musik aufgeht.

Obwohl Manou Gallo als Bassistin meist im Hintergrund bleibt, trägt sie maßgeblich zur Abwechslung bei: Dass sie aus live eingespielten Tönen Loops macht und diese übereinander schichtet, ist an sich nicht neu. Doch sie bastelt sich ihre eigenen Ein-Ton-Flöten. Dafür leert sie Mini-Schnapsflaschen so lange Schluck um Schluck, bis die Tonhöhe stimmt. Ihre Human Beatbox macht das verblüffende Klangwerk komplett. Sie verweist damit auch darauf, dass zeitgenössische afrikanische Musik längst mehr ist als die Grammy-verdächtige Mischung aus traditioneller Musik mit Pop, sondern dass von Abidjan bis Yaoundé alle Spielarten der Musik gepflegt werden, die nicht beinahe zwangsläufig Assoziationen rückständiger Agrarwirtschaft wecken. Nur dass diese Musik fast ausschließlich für heimisches Publikum gespielt und produziert wird. Dafür ist das Afropop-Angebot schon längst so groß, dass man daraus auch Multipacks schnüren kann.

Bisherige Rezensionen zu Dobet Gnahoré auf schallplattenmann.de

Bisherige Rezensionen zu Kareyce Fotso auf schallplattenmann.de

(Foto: TheNoise)

5 comments for “Dobet Gnahoré, Kareyce Fotso, Manou Gallo, 10.3.2013, SAL, Schaan (FL)

  1. Thomas S.
    13. März 2013 at 10:06

    Die Frauen sind absolut toll. Hab sie in München gesehen. Ich fand die gespielten Titel sehr abwechlungsreich. Leider finden die Konzerte nicht die nötige Resonanz. Liegts an der mangelhaften Promotion?

    • TheNoise
      13. März 2013 at 17:08

      Die drei sind zweifellos erstklassige Musikerinnen. Es gab Abwechslung, aber auch lange Passagen mit dem bekannten treibenden Afropop. Doch auch damit konnten sie das Publikum zu nicht viel mehr als zum Mitwippen bewegen. Über die mangelnde Resonanz kann auch ich nur Vermutungen anstellen. Mir scheint auch, dass die Reihe nicht gut beworben wurde. Eine CD, die es von der Vorgängerausgabe mit Habib Koité und Afel Bocum im Handel gibt, habe ich von dieser Durchführung nur beim Konzert gesehen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Damen doch weniger bekannt sind als Habib Koité, der schon seit vielen Jahren tourt, oder auch Afel Bocum, der mit Ali Farka Touré gespielt hat und – wenn ich mich richtig erinnere – auch Damon Albarn bei seinem Album „Mali Music“ unterstützt hat.

  2. 18. März 2013 at 13:08

    Hätt sie so gerne bei einer unserer Veranstaltungen in Salzburg gehabt, aber das Management ist kaum auffindbar und ausserordentlich trocken bei der Suche nach möglichen Terminen. Vielleicht liegts auch ein bisschen daran? An der Musik liegts jedenfalls nicht!

  3. TheNoise
    18. März 2013 at 16:01

    Man kann die Leute zu ihrem Glück nicht zwingen – aber Afrika bietet ja noch mehr Talente …

  4. Mirjam Schadendorf
    4. Juli 2013 at 12:17

    Lieber Schallplattenmann, es ist dir vielleicht nicht aufgefallen, deswegen möchte ich dich darauf hinweisen, dass du mit den drei Frauen von Acoustic Africa doch wenig zimperlich umgehst.

    Muss das sein, hier bei der Beschreibung einer neuen afrikanischen Musik, die ja letztlich auf der panafrikanischen Bewegung fusst, mit den starren und zum Glück veralteten Adjektiven einer männlich dominierten Welt zu argumentieren?

    Da ist eine eine „Diva mit künstlichem Lächeln“, die andere ist „exaltiert“ und die dritte ist „die energische Geschäftsfrau“. Die Männer dagegen, die in dieser Gruppierung eine untergeordnete Rolle spielen, sind „exzellent“, „gediegen“ und nochmal „gediegen“.

    Es gibt soviel zu sagen, über die unglaubliche Stimme von Dobet Gnahore, in der sich ihre komplette Persönlichkeit spiegelt, über den rauen und melancholischen Stil von Kareyce Fotso und insbesondere über Manou Gallo, die ja schon als zehnjährige auf den Atombras, die ausschließlich Männern vorbehalten waren, gespielt hat.

    Diese und viele andere neue Phänomene in der Musik Afrikas sind doch wirklich erwähnenswert und bestimmt auch interessanter als die Typisierung dieser Frauen, die nur wenig über ihre Musik aussagt.

    Viele Grüße – Mirjam

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