Irie Révoltés „Irie Révoltés“

IRIE_REVOLTES_ALBUM_COVER_500 *Texte bieder und bemüht, Musik auf ausgetretenen Pfaden*

Neuestes Werk der ‚freien Revoltierenden‘, wie sich die neunköpfige Band aus Heidelberg nennt. Die Truppe mag live eine sichere Bank sein, auf Festivals für gehörige Stimmung sorgen und voller Engagement gegen die Mißstände dieser Welt musizieren. Was aber tut sich auf der neuen Platte? Nichts, was man nicht erwarten würde.
»Ha – Unsere Wut bricht aus! Zuviel Wut im Bauch«, heißt es im ersten Titel „Ruhe vor dem Sturm“. Aber mehr als eine leise Brise erzeugt dieser Sound nicht. Und Aufbruchstimmung lassen die ‚kämpferischen‘ Texte auch nicht aufkommen. Zu allgemein, zu vage, zu klischeebeladen oder zu Agitprop-bieder kommen diese Moritaten über den »sozialen Aufschrei, der von Knüppeln begraben wird« daher, wie sie in „Stopper“ singen. Auch die Klage über das vom Terminstress bestimmte Leben („Zu schnell“) mutet nicht sonderlich originell an. „Jetzt ist Schluss“ wiederum, eine Anklage gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, bietet keine kritische Bestandsaufnahme der Gegenwart, sondern setzt Beobachtungen in Szene, die eher den Neunzigerjahren zuzuordnen sind, als Asylbewerberheime unter dem Beifall von bierseligen Nachbarn brannten. Gelegentlich sollte man auch die eigenen Überzeugungen einer kritischen Prüfung unterziehen, sonst wird das ‚gut gemeint‘ nicht zu ‚gut gemacht‘.

Zündet stattdessen die Musik? Unüberhörbar mischen die Heidelberger französischen Rap, Hip-Hop, Dancehall, Reggae, dezenten Elektro-Beat und einiges mehr zusammen. Mit netten Songs wie „Jetzt“ mit seinem Neue-Deutsche-Welle-Retrosound bringen Irie Révoltés gelegentlich die Füsse zum Wippen. Wirklich revolutionär ist an ihrem neuen Album jedoch wenig bis nichts: Irie Révoltés klingen wie in den Neunziger- und frühen Nullerjahren. Wer ohnehin meint, dass sich alles wiederholt, wird das nicht weiter schlimm finden. Dass aber auch heute noch »Alle Fäuste von Kairo bis Berlin hochgehen«, wenn wir „Fäuste Hoch“ hören, darf zumindest bezweifelt werden – und ganz allgemein auch, dass man dieses Album wirklich braucht.

Keine Revolte, natürlich nicht, aber immer noch gilt, was Mister Jagger schon Ende der Sechzigerjahre wusste: »What can a poor boy do but play in a Rock’n’Roll-Band?« Den Sound der Rebellion liefern Irie Révoltés  nicht, bestenfalls einen kleinen Beitrag zum Soundtrack der sich alternativ wähnenden Jugend. Auf die Barrikaden treibt diese Platte aber niemanden, weder im Guten noch im Schlechten.