Jack Savoretti „Sleep No More“

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Weiter mit bewährter Formel auf der Erfolgsstrasse. Mädchenschwarm Savoretti gibt dem Publikum, was es will. Leider vermeidet er dabei überwiegend das Risiko, aus dem goldenen Käfig seiner Produzenten auszubrechen. Daber hat der Mann Stimme und Songideen und ein Faible für Folk-Rock. Doch aktuell dominieren Softrock und Pop – auch nicht schlecht, aber beim nächsten Mal wieder mehr Variation, bitte.

Nick Waterhouse „Never Twice“

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Hier spielt der Fan: vergnügliche, allerdings wenig originelle Hommage an den R’n’B, den Doo-Woop der Fünfziger, den Clubjazz und Soul der Sechziger. Toll und mit viel Spass an der Sache mit Hand und Herz hergestellte Musik, der allerdings ein wenig die kreative Neuinterpretation fehlt.

Kofelgschroa „Baaz“

us-0480_kofelgschroa_baaz_cover2-1024x1024 Gerade noch oder nicht mehr Volksmusik? Raus aus den Schubladen

Als Anfang der 1980er Jahre ein Typ unter dem Namen Haindling mit Abzählreimen experimentierte, etwas später die oberösterreichischen Brüder Attwenger die Macht des Weglassens entdeckten, war auf alten und ausgetretenen Wegen was ganz Neues, sehr Regionales aber auch Welt-läufiges entstanden. In dem Dorf Oberammergau ist das vor ein paar Jahren wieder passiert.

Der Ort, weltbekannt wegen seiner Jesusbärte und seiner Festspielhybris, bringt vier umwerfende Jungs hervor, die in kein Raster (Volksmusiker, Hippies, Punks, Anarchisten?) passen. Als dann – ungefähr zum Erscheinen des zweiten Albums „Zaun“ – der Autor und Musiker Eric Pfeil die Band namens Kofelgschroa in einem sehr ausführlichen Artikel (Rolling Stone sic!) in den Himmel hob, gab es nichts mehr hinzuzufügen und ich konnte eine halbfertige Plattenkritik in die Tonne treten. Mit dem neuen Album ‚Baaz‘ zündet die „Miniblaskapelle“ jetzt die dritte Stufe und einschlägige Magazine darben noch ungelesen, fest in Folie verschweißt.

Erweitert um rudimentäres Schlagwerk, Kontrabass und Orgel haben die Produzenten Micha Acher und Oliver Zülch das Album vor Ort im Hotel Kòfel eingespielt. Leicht spöttisch und selbstironisch in den Texten, spielen die 4 Musiker sich in vielen Tonart- und Rhythmuswechseln so kurzweilig durch die 60 Minuten, dass am Ende des Albums nur der Neustart in Frage kommt. Das fast neun minütige Titelstück ‚Baaz‘ ist ein guter Anspieltipp, ein Harmonium-, Helikontuba-, Klampfen-, Schlagwerkbastard im psychedelisch stampfenden Krautrockgewand.

„Bleib i liegen, bleib i wach, kommt auf a kurze Nacht a langer Dog“ mit dieser für Kofel- gschroa typischen Einsicht, der Mischung zwischen Hochdeutsch und Mundart ist diese Musik aus bayerischer Volksmusik geboren, mit Polka und Tango vermählt im Geiste von Punk und Rock’n’Roll.

Meisterwerk! Jahresendliste!

(Cover: trikont.de)*